SIBMaker LabPrototyping Studio in Kooperation mitCIC Berlin

Customer Discovery

How-to-Guide · Phase 01 Idee & Problem

Customer Discovery: Problem- und Kundeninterviews führen

Bevor du baust, sprich mit echten Menschen. Dieser Guide zeigt dir, wie du Interviews führst, die dein Problem schärfen statt deine Idee bestätigen.

01

Worum es im Interview geht

Ziel ist, Probleme, Gewohnheiten und bisherige Lösungswege zu verstehen. Nicht, Zustimmung für deine Idee einzusammeln.

  • Frag nach der Vergangenheit, nicht nach hypothetischer Zukunft („Würdest du …?“ liefert Wunschdenken).
  • Beobachte tatsächliches Verhalten, nicht Meinungen oder Vorlieben.
  • Lass dir konkrete Situationen schildern: letztes Mal, wo, wann, mit wem.
  • Erwähne deine Lösung zunächst nicht, damit sie die Antworten nicht färbt.
  • Ein gutes Interview dauert 20–40 Minuten und besteht zu 80 % aus Zuhören.
02

Fragen, die du sofort nutzen kannst

Offene Fragen zu echten Erlebnissen bringen brauchbare Daten. Geschlossene Ja/Nein-Fragen und Pitch-Fragen nicht.

  • „Wann ist dir das zuletzt passiert? Erzähl mir von der Situation.“
  • „Was hast du dann konkret gemacht?“
  • „Was war daran teuer, nervig oder riskant?“
  • „Welche Lösung oder welchen Workaround nutzt du heute?“
  • „Was hast du schon ausprobiert, das nicht funktioniert hat?“
  • Bei jeder spannenden Antwort nachhaken: „Warum?“ und „Was genau meinst du damit?“
03

Interviews auswerten

Nach den Gesprächen brauchst du Muster statt Bauchgefühl. Werte zeitnah und gemeinsam im Team aus.

  • Wörtliche Zitate sammeln und nach wiederkehrenden Themen clustern.
  • Schmerzintensität einschätzen: nice-to-have, lästig oder echtes „brennendes“ Problem?
  • Auf Zahlungs- und Nutzungsindikatoren achten: bestehende Budgets, gebaute Workarounds, investierte Zeit.
  • Pro Cluster die nächste zu prüfende Annahme formulieren.
  • Festhalten, was dich überrascht hat — dort steckt oft die eigentliche Erkenntnis.
04

Häufige Fehler vermeiden

Die meisten Interviews scheitern nicht an der Methode, sondern an vermeidbaren Fehlern.

  • Nur Freund:innen und Familie fragen — sie wollen dich nicht enttäuschen.
  • Zu früh die eigene Lösung pitchen, statt erst das Problem zu verstehen.
  • Suggestivfragen stellen, die die gewünschte Antwort schon enthalten.
  • Keine oder unstrukturierte Notizen — am nächsten Tag ist die Hälfte weg.
  • Zu wenige Gespräche und daraus zu schnell allgemeine Schlüsse ziehen.
  • Nur mit einem einzigen Personentyp sprechen und Randfälle übersehen.

Häufige Fragen

Wie viele Interviews brauche ich?

Für erste Muster reichen oft 5 bis 10 gute Gespräche pro Personentyp. Sobald sich Antworten wiederholen und kaum noch Neues auftaucht, hast du genug für eine Richtung. Für tragfähige Entscheidungen — etwa über Preise oder Zielgruppe — brauchst du mehr und ergänzende Evidenz.

Darf ich meine Lösung im Interview zeigen?

Erst, nachdem du das Problem verstanden hast. Zeigst du sie zu früh, bewerten dir die Leute deine Präsentation statt ihren echten Bedarf. Trenne Problem-Interview und Lösungs-Test: Reaktionen auf einen Prototyp gehören in eine eigene Runde, etwa beim UX-Testing.

Wie dokumentiere ich Interviews richtig?

Kurz, strukturiert und datenschutzbewusst. Halte fest: Personentyp, Situation, wörtliche Zitate, erkannte Muster und die nächste Annahme. Hol dir vorab das Einverständnis zur Aufzeichnung und speichere keine personenbezogenen Daten, die du nicht brauchst.

Wo finde ich Leute für Interviews?

Starte im eigenen Umfeld zweiten Grades — Kontakte deiner Kontakte sind ehrlicher als enge Freund:innen. Nutze passende Communitys, Foren und Events. Im SIB-Programm helfen dir Coaches und Mentor:innen, an die richtigen Gesprächspartner:innen zu kommen.

Nächster Schritt

Hol dir den fertigen Interviewleitfaden und teste deine validierten Annahmen direkt im nächsten Experiment.

Weiter im Gründungswissen:Zum HubProgramm-FinderFür dich
Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner